Die Schule der Trunkenheit
Weil wir an diesem Samstag selbst feiern waren und die Buchmesse in Leipzig zum Schmökern einlud, gibt es unseren Cocktail heute in Buchform. Wir empfehlen euch Eine kurze Geschichte des gepflegten Genießens wenn ihr wissen wollt, woher der Name Cocktail überhaupt kommt, wie der Rausch in der Geschichte der Menschheit verankert ist und warum sich bestimmte Spirituosen in den Bars der Welt durchgesetzt haben. Geschrieben ist das Buch von echten Kennern der Szene: die Begründer der Victoria Bar am Potsdamer Platz in Berlin haben Alkohol zum Kulturgut erklärt und in Vorlesungen in der Schule der Trunkenheit Wiss- und Trinkbegieringen nahegebracht. Aus diesem Material entstand das Buch, unterteilt in Semester, das sich jeweils einer Grundzutat widmet. Pepe Danquart wurde vom Tresen weg zu einem Vorwort verpflichtet und leitet mit Genuss in die Welt der alkoholischen Getränke ein. Das Buch schliesst mit einem Kapitel der Cocktailrezepte ab und bietet eine gute Grundlage für die Hausbar. Und schön anzusehen ist es auch – der Einband des Buches wird mit den Jahren Patina bekommen und je abgegriffener umso erfahrener wird der Gastgeber wirken.

Die zweite Empfehlung Beauty Police von Pierangelo Maset kommt aus dem kookbooks Verlag: Jeder bescheuerte Spiegel fragt: Wer ist die Schönste im ganzen Land? An der Wand? Etwas von dem, was gewesen ist, beliebig lange zu erhalten, ist das größte Geschenk angesichts des unaufhaltsamen Verfalls, der umso deutlicher wird, je mehr Bilder geschossen werden, egal ob von Profis oder von Amateuren. Alle Gesten sind schon da. – In den Jahren vor der Finanzkrise hat Ruth Netzer durch den Verkauf westlicher Kunst an chinesische Kunden ein beachtliches Kapital angehäuft, das sie nun in eine Schönheitscreme, UNTITLED™, investiert, die alle Konkurrenzprodukte durch die seltene Eigenschaft übertreffen soll, zu halten, was sie verspricht. Sie will Wunschbilder anderer in etwas Wirkliches verwandeln. Darum genügt es ihr nicht, eine Kosmetik zu entwickeln, die nur auf physische Verbesserungen zielt, vielmehr soll die Substanz auch in den unsichtbaren Regionen des Ichs wirksam werden. Als sich ein nicht zu versöhnender Streit mit ihrem Geschäftspartner Lu Dongbing über die nötigen Zutaten entspinnt, und Ruth, um ihn zu irritieren, lebende Bilder zu inszenieren beginnt, wehrt sich Lu Dongbing mit klassisch-chinesischen Kriegslisten. Mit „BEAUTY POLICE“ schließt Pierangelo Maset seine Berlin-Trilogie bei kookbooks ab. Neben Ruth Netzer begegnen darin auch die aus „Klangwesen“ und „Laura oder die Tücken der Kunst“ vertrauten Laura Vermeer und Eric Dert wieder. Ein Roman über unsere biopolitische Gegenwart, ihre Netze aus Kunst, Kommerz und Kontrollwahn und über das Terrorisierende im Wunsch nach Verwirklichung. Wunderbar stilvoll und elegant gestaltet von Andreas Töpfer, der auch für Flavour die Illustrationen im Lexikon umsetzt.