Häppies Berlin, Knödel, Uli Marschner, Vegan, Vegetarisch, Prenzlauer Berg

Uli Marschner hat vor ein paar Jahren nach einer Reise durch Südostasien und einer Überdosis Tiefkühlknödel den Entschluss gefasst, Berlin um ein kulinarisches Highlight zu bereichern. In ihrem zauberhaften Laden im Prenzlauer Berg kreiert sie seitdem mit einem kleinen Team ihre häppies – herzhafte Germknödel, die vor allem eins machen: so richtig dolle glücklich!

Flavour: Uli, erzähl uns doch mal ein wenig über Dich und darüber, wie du auf die Idee mit den herzhaften Germknödeln gekommen bist? Ich war lange Werbetexterin bei Jung von Matt in Hamburg und auch wenn man es mir nicht ansieht, war meine große Leidenschaft schon immer Essen und Kochen und alles was damit zu tun hat. Irgendwann war klar, dass ich gerne etwas eigenes gründen möchte, was mit Essen & Kochen zu tun hat. Ich liebe Germknödel seit den Familienurlauben in den Bergen und habe mich dann vor circa drei Jahren gefragt, warum es die eigentlich nicht in herzhaft gibt und die niemand frisch macht? Ab dem Moment sind die Rezeptideen nur so aus mir herausgesprudelt, eines der ersten Rezepte steht übrigens noch immer auf der Karte. Das ist unsere Bärbel mit Ziegenkäse und Rucculapesto, die ich nach meiner Oma benannt habe. Kurz nach diesem Erlebnis habe ich meinen Vater angerufen und gesagt: „Papa, du wirst mich für verrückt halten, aber irgendwann mache ich einen Germknödelladen auf.“

Flavour: Und dann ging es direkt los? Nein, ich bin erst einmal ein halbes Jahr durch Indien und Südostasien gereist, um mich vor allem kulinarisch inspirieren lassen. Aber trotz all der schönen Länder und Landschaften hatte ich die ganze Zeit eigentlich nur eins im Kopf – nämlich Knödel und mir wurde schnell klar, dass ich es einfach wagen muss. Zurück in Deutschland bin ich dann von Hamburg nach Berlin gezogen, weil mein Bauch mir gesagt hat, dass Berlin für den Start die bessere Stadt ist. Das erste Jahr habe
ich dann mit meiner guten Freundin Simone, einer Köchin, einen Supperclub gestartet, in dem wir jede Woche neue häppies kreieren konnten. Da diese Events ganz bald ganz schnell ausgebucht und die häppies an sich so viel Zuspruch fanden, kam dann auch irgendwann die Idee, einen Teil des Startkapitals mit Crowdfunding zu sammeln.

Flavour: Und euer Video dazu strahlt so viel Lebensfreude und macht wirklich happy! Danke! Tatsächlich haben wir auch versucht, die Supporter mit unseren Prämien häppie zu machen. Jeder, der das Projekt z.B. mit mindestens 30 Euro unterstützt hat, konnte uns sagen, was ihn besonders glücklich macht und wurde dann als Knödel in seiner Lieblingsbeschäftigung verewigt. Jetzt wuselt es an einer Wand im Restaurant von insgesamt 260 kleinen Knödel-karrikaturen, die eine Freundin von mir, die Paula, in liebevoller Einzelarbeit illustriert hat. Für eine Spende von 300 Euro hat man sich z.B. seine eigene häppie-Kreation ausdenken können, die dann unter dem eigenen Namen im Laden verkauft wird. Mathias ist so einer. Er wollte der schärfste häppie aller Zeiten werden und seine Chilisoße hat es wirklich in sich. Insgesamt sind durch all die Menschen, die von Anfang an an diese kleinen Knödel geglaubt haben, über 13.000 Euro zusammen gekommen. Ich nenne es mein Gutes-Karma-Kapital.

Flavour: Tatsächlich haben ja alle eure Häppies Namen, stehen da überall reale Personen dahinter? Hinter allen außer Ben, unserem veganen häppie. Da habe ich einfach nach einem Namen gesucht, der vegan klingt. Nun ja. Julia, der Lieblingshäppie für Kinder mit Wiener Würstchen-Füllung ist nach einer meiner besten Freundinnen benannt; die Ziegenkäse-Variation nach meiner Oma; der scharfe Mathias nach dem Supporter Mathias; der Namenspate vom Gorgonzola-häppie ist Gabriel, der uns auf Facebook davon überzeugt hat, dass er der größte Käse-Fan ist. Schon bald kommt ein neuer Knödel aufs Menue, benannt nach meiner Mitarbeiterin Lina – eine indische Kreation mit Spinat-Süßkartoffel-Füllung und Linsen-Curry-Soße. Und Netti, die einzige süße Variante trägt den Namen meiner Schwester. Sie ist mit Ingwer-Pflaumenmus gefüllt, schwimmt in einem kleinen See von Kardamon-Butter und trägt ein Hütchen aus handgemahlenem Grau-Mohn, den wir extra aus Österreich beziehen.

Flavour: Und wie ist der Name häppies entstanden? Ganz einfach, häppie möchte Menschen glücklich machen. Mit seinem schiefen Grinsen, den Dellen und Beulen und seinen unterschiedlich großen Augen hat er auch eine Message: Man muss nicht perfekt sein, um schön zu sein, Hauptsache man ist glücklich. Klingt einfach und ist auch so (lacht).

Flavour: Du selbst scheinst unglaublich happy mit deiner Entscheidung zu sein! Ja, das bin ich. Manchmal denke ich, ich hab den schönsten Job der Welt. Tag für Tag Menschen glücklich zu machen, erfüllt mich komplett, man bekommt so viel zurück. Im Grund glaube ich, dass das auch der einzig wahre Schlüssel zum Glück ist – andere häppie zu machen. Es ist unglaublich wie viele Menschen, uns auf diesem Weg unterstützen. Meine Freunde, die Crowdfuning-Supporter, alle häppies, die mit mir zusammen im Laden arbeiten und ganz viel Liebe versprühen, Gäste, die mir immer wieder erzählen, wie viel Werbung sie im Bekanntenkreis machen und natürlich meine Famile. Mein Vater macht übrigens unsere hausgemachte Limonade, nach der man ganz schnell süchtig wird.

Flavour: Und was ist ihr Geheimnis? Rhabarber, Vanille und ganz viel Liebe!!

Text: Katharina Flick / Bild: Katja Zimmermann