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Kurz hinter dem Savignyplatz, in einer kleinen Seitenstraße, sind wir mit Besitzerin Fiona in ihrem kleinen Restaurant Fräulein Fiona verabredet. Unser erster Eindruck: Gemütlich haben wir es hier, bunt gemischte Holztische von Biedermeier bis Fundstücke vom Flohmarkt, feine Kronleuchter neben Butterbrottüten als Kerzenhalter sowie frische Wiesenblumen auf jedem Tisch sorgen für ein sofortiges Wohlfühl-Gefühl. Kein Wunder, möchte Gastronomin Fiona ihre Gäste doch am liebsten in ihr Wohnzimmer einladen, wie sie uns im Interview verraten hat.

Fiona, was erwartet uns denn in deinem Restaurant? Unser rote Faden ist regionale, saisonale und hauptsächlich deutsche Küche und das alles in Wohnzimmeratmosphäre. Ich möchte die Leute zu mir nach Hause einladen und sehe meine Gäste schon fast wie eine erweiterte Familie. Diesen Wohlfühlfaktor schaffe ich z.B., indem ich mir viele kleine Details merke und auch notiere. Was meine Gäste besonders gern mögen oder eben auch nicht. Wir haben auch die Tische bewusst ein wenig auseinander gestellt, damit jeder genug Platz hat und Raum für Gespräche entsteht, ohne dass der Nachbar unfreiwillig mithört.

Du kommst aus der 5 Sterne Hotellerie, wie wirkt sich das auf dein eigenes Lokal aus? Mir ist dieser Servicegedanke, den ich dort gelernt habe natürlich wichtig, ich möchte den Gästen aber näher sein und mehr Zeit für sie haben, bei dem gleichen Anspruch an mich und mein Team. Ich mag es, wenn mich meine Gäste Fiona nennen und es ein wenig leger zu geht, auf der anderen Seite lege ich aber auch Wert darauf, dass unsere Tische schön eingedeckt sind und frische Blumen auf dem Tisch stehen.

Hast du denn einen Tipp für uns, wie man seinen Tisch auch Zuhause schön gestalten kann? Nun, zunächst einmal hängt es vom Tisch selbst ab. Ist dieser, wie bei uns, schon aus schönem Holz gefertigt, reicht ein kleiner Tischläufer, darauf Blumen, die ein wenig aussehen wie frisch vom Feld gepflückt – ich habe da eine ganz tolle Floristin, die mich für mein Restaurant damit versorgt – und natürlich, dass ein wenig mit Liebe eingedeckt wird. Dabei finde ich es persönlich viel schöner, wenn nicht alle Gläser zusammenpassen und so ein charmanter Bruch entsteht.

Du hast einen jungen Küchenchef, wie viel Fiona steckt denn trotzdem in den Rezepten? Enrico und ich inspirieren uns da ganz gut gegenseitig. Wir gehen immer zusammen einkaufen und dann kann ich dann natürlich auch mal sagen: Mach doch mal was hiermit oder wie wäre es damit. Aber eigentlich hat er da schon viel freie Hand für kreative Einfälle. Ich wähle außerdem die Weine mit unserem Weinhändler aus und da habe ich manchmal natürlich auch schon eine Idee im Kopf, was besonders gut dazu passen würde.

Schnelldurchlauf: 5 Fragen an Fiona und ihren Küchenchef Enrico

Enrico, welches ist deine Lieblingszutat: Ich habe Lavendel als wunderbare Zutat für meine Schmorgerichte entdeckt, das gibt ihnen ein ganz besonderes Aroma.

Fiona, was kochst du privat am liebsten? Ich wohne direkt über dem Restaurant und lade meine Freunde auch gerne an unserem freien Tag ins Fräulein Fiona ein, da stehe dann allerdings ich an den Töpfen und probiere neue Sachen aus.

Enrico, was ist das Lieblingsgericht deiner Gäste? Crêpe Suzette! Ich habe die klassisch französische Küche gelernt und da geht er mir auch besonders leicht von der Hand. Fiona flambiert ihn dann direkt bei den Gästen am Tisch.

Fiona, was darf auf einem schön gedeckten Tisch nicht fehlen? Frische Blumen, nicht als Strauß, sondern wie gerade auf der Wiese gepflückt. Blumen und Kerzen sind das A&O!

Enrico, was bereitest du am liebsten für eure Gäste zu? Ich entwickele mit den Schmorgerichten gerade eine eigene Signatur und das macht mir wirklich viel Freude!

 

Was wir gegessen haben

Zunächst haben wir einen kleinen Gruß aus der Küche erhalten: Nürnberger auf Sauerkraut, wunderbar zart, dazu wurde kräftiges Bauernbrot, Kräuterquark und eine Rote Beete Butter gereicht. Der Bauch ist erst einmal zufrieden und wir konnten uns in Ruhe auf das Menü konzentrieren.

Vorspeise: Rosa Kalbsrückenscheiben auf Rote Bete Carpaccio & Senfrauke: Zart, saftig, wunderbar für einen so lauen Sommerabend!

Im Brickteig gebratener Ziegenkäse mit Aprikosenchutney auf Sommersalat: Der Ziegenkäse war nicht fettig, sondern wunderbar ausgebacken und hatte sich in dem Brickteig leicht mit dem Aprikosenchutney vermischt – sehr fein!

Zwischengericht:  Flusskrebse in Krustentierbutter mit buntem Gemüse & Pfifferlingen: Ein kleiner Hauch Frankreich liegt bei dem Gericht in der Luft, zusammen mit dem kräftigen Bauernbrot reicht der Zwischengang auch wunderbar als kleines Hauptgericht!

Hauptgericht: Rinderfilet mit Kressegraupen & Pfifferling-Morchel-Sauce: Ein echtes Highlight, das Fleisch war so zart und saftig, dazu die Pfifferlinge, grandios lecker.

Nachtisch: Uns wurden netterweise von Enrico ein paar kleine Variationen gezaubert und so konnte sich jeder von uns seinen Lieblingsnachtisch aussuchen. Während Katharina bei dem Pflaumencrumble mit Vanilleeis dahinschmolz, war Katja bei den Gratinierten Blaubeeren hin und weg. Dazu wurde ein sommerliches Sorbet von schwarzer Johannisbeere gereicht.

Was wir getrunken haben

Wein, ganz wunderbaren Wein. Fiona hat uns da wirklich ganz hervorragend beraten und uns an dem lauen Sommerabend an einen leichten, zarten Rotwein herangeführt, der hervorragend zu dem Rind passte, ohne alle anderen Gerichte zu überlagern.

Fazit

Fiona ist die geborene Gastgeberin, quirlig, lustig und trotzdem nie aufdringlich, nimmt sie sich Zeit für ihre Gäste, empfiehlt Weine, plaudert über ihre Blumen und hilft bei der Kombination der einfallsreichen Menüs. Das Essen ist qualitativ top und von Enrico mit viel Liebe zubereitet. In diesem Sinne: Hut ab für das Fräulein und einen herzlichen Dank an den Küchenchef!

Fräulein Fiona – Fritschestraße 48, 10627 Berlin

Text: Katharina Flick / Bilder: Katja Zimmermann