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Wir haben uns mit Sylvia Kopp in der Berlin Beer Academy getroffen, um von ihr zu erfahren, was man als Bier Sommelière so wissen sollte, wie sich die einzelnen Biersorten unterscheiden und wie eine Bierverkostung eigentlich so abläuft.

Sylvia, verrate uns doch einmal, wie man Bier Sommelière wird?

Man hat festgestellt, dass sich die richtig großen Sommelière nicht um das Bier kümmern, darum hat man diese spezielle Ausbildung als Bier Sommelière ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, mehr über das Bier zu erfahren, Wissen weiterzugeben und sich einfach wieder mehr mit dem Geschmack des Bieres auseinander zu setzen. Die Ausbildung gibt es seit 2004 bei einer Brauerfachschule in München, inzwischen gehen sogar Brauer dort hin, um auch die Biersprache wieder neu zu lernen.

Und wie bist Du selbst beim Bier gelandet?

Ich habe mich schon früh für das Thema Bier begeistert und bin dann erst einmal zu einem Verlag gegangen, der die „Brauwelt“ herausgibt, einem der ältesten Verlage in diesem Gewerbe. Und 2006 hatte ich dann die Möglichkeiten einen Platz an der Brauerfachschule zu bekommen. Mich persönlich interessieren nicht die nüchternen Fakten rund um den Jahresausschank oder nostalgische Traditionen wie das Bockbieranstechen und das Oktoberfest, sondern ich wollte wissen, warum die Sorten so unterschiedlich schmecken, wie die ganz unterschiedlichen Aromen zustande kommen.

Bier als Genussmittel kennt man ja, aber in den letzten Jahren hatte man verstärkt das Gefühl, dass es weniger um den Geschmack als mehr um das Lebensgefühl ging. Wie siehst du das?

Ganz richtig, die Brauer hatten verlernt, über ihr Bier zu sprechen oder sich Gedanken um neue Geschmacksrichtungen zu machen, stattdessen floss alles Geld ins Marketing, ins Sponsoring oder in das Lebensgefühl, was mit der Marke, nicht dem Bier transportiert wird. Das änderte sich mit der Craft Beer Bewegung in Deutschland jetzt seit etwa 3 Jahren, was ich richtig klasse finde.

Erklär uns doch noch einmal das Konzept hinter der Craft Beer Bewegung

Craft-Bier ist eine Reaktion auf den langweiligen Einheitsgeschmack aus der Massenproduktion. In den USA war es die dünne hellgelbe Plörre in Dosen, die bereits in den 80er Jahren Neugründer auf den Plan gerufen hat. Mittlerweile gibt es dort 3000 solcher Craft-Brauer, die antreten, um unverwechselbares, geschmacksstarkes Bier zu brauen. Einige sind in den vergangenen 20, 30 Jahren zu großen Brauereien herangewachsen wie Sierra Nevada, New Belgium oder die Boston Beer Company  mit der Marke Samuel Adams, die aber immer noch Charaktervolles brauen. In Deutschland hat die Bewegung vor drei Jahren eingesetzt und nimmt jetzt richtig Schwung auf.

Wie können wir uns eine Bierverkostung bei euch in der Beer Academy vorstellen?

Eigentlich läuft das genauso ab wie beim Wein, wir haben die gleichen Parameter, nämlich: Aussehen, Aroma, der Geruch, der Geschmack, Mundgefühl – Textur, Struktur, geschmackliche Entwicklung, Ausklang. Da viele Biere, die wir kennen, durch den Hopfen sehr bitter sind, ist der Ausklang super wichtig, ist es sehr lang bitter oder nur kurz. Das ist auch der Grund, warum wir beim Bier nicht ausspucken, wie beim Wein, sondern das Bier runterschlucken. Sonst ist es aber dasselbe Prozedere, dazwischen gibt es viel Brot und Wasser zum neutralisieren.

Und welche Biere werden bei euch verkostet?
Ich achte immer darauf, unterschiedliche Stile mit dabei zu haben, hier haben wir dann mal ein Lager, mal ein Ale, ein Altbier und eine Berliner Weiße und es sollten auch alle Bierfarben dabei sein, von Blond über Bernsteinfarben bis Dunkel und natürlich die verschiedenen Prozente – da haben wir dann auch schonmal ein Bier mit 10% Alkoholgehalt dabei.

Was macht denn für dich persönlich ein gutes Bier aus?
Ich trinke noch immer wahnsinnig gerne Pils, aber eben nicht Mainstream Pils, da muss was sein, was mich fesselt und überrascht. Natürlich muss es einwandfrei sein, darf keinen Braufehler haben, aber hauptsächlich mag ich Biere von privaten Brauereien, die sich richtig Mühe geben, kreativ brauen und so ein tolles Hopfenprofil eingeben. Schönramerpils trinke ich z.B. immer noch sehr gerne. Mein absolutes Lieblingsbier ist aber immer noch das Orval, ein belgisches Bier.

Natürlich haben auch wir uns dem Biertest gestellt und uns tapfer morgens um 10:30 Uhr durch verschiedene Sorten Bier probiert. Während Katja direkt munter Aromen analysierte, brauchte Katharina erst die Säure der Berliner Weiße, um das sanfte Belgische Bier zu schätzen zu wissen.

Was wir getrunken haben:

Berliner Weiße von Brewbaker: Sauer macht lustig, Berliner Weiße ganz ohne Sirup schmeckt auf einmal gar nicht mehr nach Touristenpappwasser, sondern richtig frisch.


Kuehnes Blondes von Kuehn Kunz Rosen: Bei dem Bier schreit schon das Etikett: Trink mich, ich bin Rock’n’Roll, dazu nur leicht herb, herrlich süffig und unser beider Favorit.

Comet IPA von Hopfenstopfer: Das beste zum Schluss! Fruchtige Zitronen- und Grapefruitnoten machen dieses Bier spritzig mit einer leicht herben Unternote. Der Geschmack bleibt lang und ist dabei überhaupt nicht schwer.

 Flavour weiß mehr: Der landestypische Trinkspruch Prost gilt allen in der Runde und fand durch Studenten in die Wirtshäuser. Diese Wunschformel heisst übersetzt “Es nütze.” und wird zuweilen durch “Wohl bekomm’s!” ersetzt. Eine weitere Trinktradition ist das Anstoßen mit den Gläsern oder Bechern, das ursprünglich darauf zurück zu führen sein soll, dass eine Vergiftung durch Trinkgenossen durch das Rüberspritzen der Getränke vermieden werden sollte. Jedoch bekam erst im 16. Jahrhundert jeder sein eigenes Trinkgefäss und man stieß die Gläser symbolisch aneinander. Vorher ging derselbe Krug um den Tisch herum und alle waren entweder vergiftet oder weiter in Feierlaune.

Text: Katharina Flick / Bilder: Katja Zimmermann