Sabine, Portrait

Sabine Wirsching ist Texterin, Musikliebhaberin, kreativ-Headbanger und seit neustem auch Buchautorin. Das spannende an “Druckstaueffekt – Soundcheck: Berlin” ist nicht nur der Inhalt, sondern auch seine Art verlegt zu werden: Nämlich via Crowd Funding. Wir haben bei  Sabine einmal genauer nachgefragt.

Einen Roman zu schreiben ist ja keine alltägliche Idee, wie kam es dazu, dass du dein Buch geschrieben hast?
Kurzgeschichten und Blogs schreibe ich schon ziemlich lange, und ein Buch wollte ich natürlich auch immer mal „machen“. Aber buchtaugliche Geschichten lassen sich nicht finden oder künstlich herstellen – wenn überhaupt, finden die den Autoren. Zumindest war es bei mir so: Im Mai 2011 fuhr ich morgens mit der S-Bahn zur Arbeit und BÄM! sprang zwischen Bahnhof Zoo und Tiergarten die ganze Story in meinem Kopf. Ich musste sie quasi nur noch aufschreiben, und im Gegensatz zu den Kurzgeschichten war hier von Anfang an klar, dass es etwas Großes und Romantaugliches sein würde.

Worum geht es in Druckstaueffekt?
Es geht um das typische Berliner Ja-Nein-Vielleicht-Beziehungsmodell: Heute findet man den Kerl super, morgen ist es schon zu viel, wenn der Typ nur ‘ne Nachricht schreibt – oder man zermürbt sich, weil er es eben nicht tut. Meine Protagonistin macht das nach einer Trennung (die vielleicht doch keine ist) mehr als einmal durch, gerät dabei an den Rand der Selbstzerstörung und muss sich am Ende fragen, ob sie nicht inzwischen selbst viel zu unverbindlich geworden ist.
Damit ist die Geschichte ist für alle geschrieben, die Berlin im Herzen haben – und die, denen die promiskuitive Kälte der Großstadtnächte manchmal zum Hals raushängt.

Und was bedeutet der Name für Dich?
Viele denken dabei ja an Papierstau im Drucker oder assoziieren Sex damit. Letzteres ist im Fall des Romans ja gar nicht so abwegig, aber eigentlich kommt der Begriff aus der Tontechnik: Er bezeichnet das Gefühl, wenn einem bei einem Konzert oder im Club der Bass die Luft aus den Lungen presst. Zum einen liebe ich als Musikfreak dieses Gefühl über alles. Und zum anderen passt dieser Moment, in dem alles zu viel und gleichzeitig wunderbar ist, perfekt zu Berlin und damit auch zum Roman. Ich hab das Wort von einem befreundeten Veranstaltungstechniker gehört – und es passte. Damit war die Frage nach dem Titel erledigt. (lacht)

Wie kam es zu der Idee mit dem Crowdfunding?
Über den Blog des Autoren Matthias Engels bin ich im April auf sein Projekt mit dem kladde|buchverlag gestoßen und fand das Konzept, das Publikum über das Potential eines Buches entscheiden zu lassen, richtig gut. Ich hatte da schon eine Odyssee der Absagen durch und mein Anschreiben an den kladde-Verlag fiel im Gegensatz zu allen anderen Versuchen fast schnodderig aus. Nach dem Motto: Hallo, wenn ihr’s nicht wollt, ist es wohl einfach Mist und dann gebe ich auf. Hätte ich nicht, aber es war großartig, als von ihnen endlich eine positive Reaktion kam! „Deine Geschichte ist wie ein guter Songtext“, haben sie geschrieben, und damit fing alles an.

Und wie funktioniert das mit dem Crowdfunding jetzt genau?
Ich stelle das Projekt unter www.visionbakery.com/druckstaueffekt vor und es funktioniert eigentlich wie eine Vorbestellung. Außer dem Buch gibt es noch weitere Gegenleistungen, wie exklusiv gedruckte Jutebeutel, Lesungen und einiges mehr. Was mich dabei besonders freut: In meinem Roman kommt viel Musik vor, z.B. von John Allen, Bonsai Kitten oder Amanda Palmer. Diese Musiker konnte ich für eine direkte Kooperation gewinnen. So sind etwa die Jutebeutel mit den entsprechenden Motiven exklusiv für mich hergestellt und nirgends sonst erhältlich!
… Man merkt vielleicht, ich freu mich so sehr über ihre Unterstützung, dass ich ganz vom Thema Crowdfunding abkomme. Das Schöne am Crowdfunding ist, dass der Leser entscheidet, was in den Laden kommt. Wenn die benötigte Summe für mein Projekt nicht erreicht wird, erhalten alle ihr Geld zurück – und wenn doch, dann erscheint mein Roman im Frühjahr 2015 und bin ich der glücklichste Mensch der Welt!

Hast du Rituale, wenn du schreibst?
Konkrete Rituale habe ich nicht – es sei denn, Laptop aufklappen zählt! Word ist mein Medium, handschriftliche Notizen oder Schreibmaschine funktionieren für mich gar nicht, leider! Das wäre zwar viel ästhetischer, ist aber viel zu langsam. Ich muss schnell schreiben und sowohl schnell, als auch tausend Mal überarbeiten können. Außerdem bin ich die Königin der Tippfehler.
Ansonsten: Wenn die Idee da ist – sofort schreiben. Egal wann, egal wo.

Verrätst du uns ein Geheimnis zu deinem Roman?
Oha… also: Ich habe von einem meiner Lieblingsautoren letzten Sommer eine Riesenwatsche für den Roman bekommen. Ich hatte ihn um seine Meinung gebeten, und er schrieb mir nach einer Leseprobe der ersten Kapitel: „Eine geradeaus erzählte Geschichte, in der Dinge behauptet werden.“ Es hat ihm gar nicht gefallen, dabei war gerade seine Sprache damals mein Vorbild gewesen. Autsch!
Ich war so gekränkt und… ja, doch, verletzt, dass ich erst mal gar nichts mehr denken konnte. Dann habe ich mich zusammengerissen und die ersten 30 Seiten noch mal neu geschrieben.
Heute sage ich: Vielen herzlichen Dank, Selim Özdogan! Segen auf all deinen Wegen, denn der Anfang war damals wirklich beschissen! (lacht) Aber direkt danach habe ich mich so schlecht gefühlt, dass ich sogar eine Kurzgeschichte darüber schreiben musste, um damit klarzukommen:

Wenn Druckstaueffekt ein Gericht oder ein Cocktail wäre, wie lautet das Rezept?
Gute Frage! Ich denke, der „Druckstaueffekt“ ist so wie die verrückten Mittagsgerichte, die ich mit Kollegen im Büro koche: Jeder bringt ein paar Sachen mit und außerdem plündern wir den Kühlschrank. Dann werfen wir alles zusammen in einen Topf, schnippeln schließlich noch einen Apfel in die Tomatensauce und garnieren die Teller hübsch. Glücklicherweise hat es bisher immer geschmeckt.
Am „Druckstaueffekt“ zu schreiben, steckte ähnlich voll mit spontanen Aktionen. Ab Seite 120 bin ich an der schieren Masse an Material fast verzweifelt, dann habe ich so oft umgestellt, noch drei Kapitel rausgeschmissen – und am Ende ist tatsächlich jedes Puzzleteil am richtigen Platz gelandet. Jetzt kann ich potentiellen Lesern nur noch „Guten Appetit“ wünschen und hoffen, dass es ihnen schmeckt.

5 Kurze Fragen an Sabine:

Kochen oder Backen? Beides gleich gut bzw. gleich schlecht und gleich gern, eigentlich.

Bekochen lassen oder selbst zubereiten? Kommt drauf an, wer kocht… wenn ich es auf meine beste Freundin Steffi beschränke, dann definitiv bekochen lassen!

Lieblingsgericht (Essen): Richtig gute Bio-Lammrippchen mit einer Senfkruste à la Vater, grüne Bohnen und portugiesische Salzkartoffeln. Und zum Nachtisch selbstgemachte Mousse au chocolat.

Lieblingsgericht (Kochen): Käseschnitte. Zwei Scheiben Brot, eine Scheibe Käse und ab in die Bratpfanne.

Verhassteste Zutat seit Kindertagen: Spargel. Und Rosinen! Das gehört nicht ins Essen!

Text: Katharina Flick / Bilder: Sabine Wirsching

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  1. Schönes Interview. Danke für’s Fragen und Beantworten. Käseschnitte! Ich lache immer noch, liebe Sabine. Herzlichst, Käthe Knobloch.

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  2. […] 6 Minuten über Crowdfunding und Schreibrituale mit dem Flavour Magazine […]

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