Wurstsack, Hendrik, Haase

Hendrik Haase ist nicht nur ein fantastischer Koch, wie wir bei unserem Interview am eigenen Leib erfahren durften, sondern vor allem ein sehr engagierter Food Aktivist, der den Menschen gesunde Ernährung wieder näher bringen und ihnen vermitteln möchte, wo das Essen herkommt und wie einfach das ganze eigentlich sein könnte. Wir haben ihn zum Kitchentalk in seiner Küche getroffen.

Hendrik, verrate uns doch zunächst einmal, wo sind denn deine Wurzeln, deine Anfänge, woher kommt der Aktivismus? Bei mir fing das ganze vor ca. acht Jahren an, als ich an meiner Diplomarbeit gesessen und mich mit Bauern und Lobbyisten auseinander gesetzt habe. Dieses aktivistische und dass ich den Menschen erzähle, was in der Welt da draußen schief geht, das entstand eher aus einer Empathie, die ich hege, wenn ich das Leid der Bauern und der Tiere sehe. Oder, wenn ich mit Menschen vom anderen Ende der Welt zusammentreffe, bei denen der Klimawandel bereits voll im Gange ist und zwar gar nicht so abstrakt, wie wir uns das immer vorstellen, sondern ganz real: Da erzählt der Inuit, dass die Wiese vor seinem Haus auf einmal anfängt zu blühen, was sie noch nie gemacht hat. Und dann steht man selbst da und sagt, wir haben jeder vier Autos und essen jeden Tag Fleisch. Und diese Wut und dieses Entsetzen äußere ich dann auf meinem Blog.

Du machst dich ja als Wurstsack für einen bewussteren Umgang mit Fleisch stark, wäre nicht ein Verzicht darauf auch eine Lösung? Nein, der Verzicht auf Fleisch ist nicht das Allheilmittel, es gibt aus meiner Sicht auch sinnvolle Argumente, warum man Fleisch essen kann und muss, wenn man es nicht wegschmeissen will. In Deutschland wird Essen einfach häufig als Problem wahrgenommen, da werden Kalorien gezählt, Fett abgemessen und einfach mal nur Bock auf Lebensmittel haben, wirkt erst einmal laut ausgesprochen komisch. Auch bei den Themen vegetarische bzw. vegane Ernährung steht derzeit immer noch unter dem Verzicht im Vordergrund, die Askese – das, was man nicht essen darf/sollte, wie auch immer. Dabei müsste viel mehr die Lust im Vordergrund stehen.

Du bist ja selbst freier Kommunikationsdesigner, bewirbst auch Lebensmittel, kommst du da nicht manchmal in einen Konflikt? Ich habe als freier Kommunikationsdesigner natürlich Kunden aus verschiedenen Netzwerken, die mir auch meine Miete bezahlen. Bei denen versuche ich dann immer, die Produkte hervorzuheben und gut darzustellen, die auch wirklich gut und nachhaltig sind. Meiner Ansicht nach ist das wichtiger, als nur witzig zu sein, wie es viele Werber heute sind. Mir ist bei der Arbeit mit den z.T. auch großen Kunden wichtig, eine Geschichte zu erzählen, ein Wissen zu dem Produkt zu vermitteln, statt nur den Spinat mit dem Blubb zu verkaufen.

Wenn ich könnte, würde ich jeden Tag mit Kindern Kartoffelchips selber machen, wir ich es gerade in der Erdapfelmanufaktur auf der Food Week getan habe oder den Menschen zeigen, wie man selber Wurst macht. Wenn mich die Regierung dafür bezahlen würde, weil ich ja eigentlich einen großen Anteil an der Aufklärung in diesem Bereich habe, würde ich das sofort machen – ich tue so jawohl mehr für die Bildung und Aufklärung als irgendwelche verstaubten Ministeriumskampagnen. Man muss den Menschen die Thematik mit Spass verkaufen, das haben wir jetzt ja auch bei den total erfolgreichen Food Festivals gesehen oder auch bei der Schnippeldisco und dem Sauercrowd Flashmob. Das ist zwar keine gutes Geschäftmodell (lacht), aber man bewegt die Menschen und die Aktionen werden inzwischen weltweit kopiert.


Wie bist du denn eigentlich ausgerechnet auf die Wurst und den Namen Wurstsack gekommen? Also, meine Webseite heißt schon so, seitdem ich 16 bin, da hatte ich allerdings mit Wurst noch gar nichts am Hut. Das kam dann erst während meiner Diplomarbeit, da habe ich das Rezept für die Ahle Wurst bei meiner Großmutter entdeckt und wollte die einfach nur ein wenig bekannter machen. Ich habe gemerkt habe, dass sie mindestens genauso gut ist wie andere hochwertige Salamis. Und dann habe ich der Wurst noch eine eigene Note gegeben und mich in dem Rahmen auch mit einigen Metzgern zusammengetan.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich? Nachhaltigkeit kommt ja eigentlich aus der Forstwirtschaft, nimm nur so viel aus dem Wald, wie auch alleine nachwachsen kann und für die Landwirtschaft sollte eben gelten: Beanspruche den Boden nur so, wie du dann auch im nächsten Jahr noch was rausbekommst. Inzwischen sind aber 15% der Böden in Deutschland verödet, 79% der Flüsse und Seen sind laut EU in einem chemisch-bedenklichen Zustand – auch eher nicht so schön. Und der Teufelskreis beginnt ja leider wieder bei den Bauern, die nun einmal nur so und so viel Geld für ihre Ernte bekommen, aber nicht weniger Arbeit hineinstecken können. Ich würde mich da einfach über mehr Aufmerksamkeit freuen.


Siehst du denn da eine Änderung? Passiert etwas in der Gesellschaft? Ich sehe z.B. dass viele Firmen jetzt auf die Packungen „nachhaltiges Gemüse“ schreiben, von den Produkten selbst halte ich zwar häufig nicht viel, aber das zeigt ja schon, dass sich etwas bewegt und die Menschen ein Verständnis dafür entwickeln. Ich finde es einfach wichtig, dass die Leute merken, „Hey, ich selbst habe ja die Möglichkeit zu schauen, wo mein Essen herkommt!“ Für mich ist die Lösung der Landwirt: Man kann zum Wochenmarkt gehen oder direkt zum Bauern aufs Land fahren und sich mit den Menschen unterhalten, die das Gemüse sähen oder das Obst ernten.
Was isst du selber gerne? Kartoffeln mit Butter, die mag ich wirklich gern.

Und was kochst du gern? Ich überlege meist im Geschäft oder auf dem Wochenmarkt, was ich zubereiten möchte, ich bin überhaupt kein Rezeptkocher. Ich lese gerne Kochbücher, aber ich koche nicht danach, sondern Arbeit damit, was ich bekommen kann.

Die Aussage von Hendrik haben wir übrigens wörtlich genommen und ihm einfach mal einige Zutaten mitgebracht, aus denen er uns ganz spontan ein Menü kredenzen durfte, was dabei herausgekommen ist, erfahrt ihr in ein paar Wochen bei uns.

Mehr über Hendrik alias Wurstsack, findet ihr hier:

www.wurstsack.com

wurstsack.blogspot.com

Text: Katharina Flick / Bilder: Katja Zimmermann