Gustogramm
29/12/2014

Gustogramme

Bei dem letzten Menü im Pop-Up Restaurant fabelhaft von Felicitas Then hat der Zeichner Andreas Töpfer für uns die drei Gänge mit Gustogrammen begleitet. Die Gustogramme zeigen eine Möglichkeit, Geschmacksrichtungen nach der Art einer umgekehrten Windrose darzustellen. Der absolute Nullpunkt ist das ungetoastete Weißbrot: Keine Farbe, keine Konsistenz, kein Geschmack. Südachse und Nordachse sind getauscht und folgen so dem Sonnenverlauf. Im Osten liegen fischige, grüne und frische Aromen, im Westen rote, Bologneseartige. Der Idealgeschmack auf der S-Achse ist ein perfektes Frühstücksei, innen weich, am Rand etwas fest. Nach unten auf der N-Achse werden muffige, kellerige Aromen verzeichnet. Bemerkenswert ist die S-W-Richtung in der sich der «Chipseffekt» findet: Einmal angefangen, kann man nicht aufhören. Die Zeichnungen entstehen beim Essen.

So können Orte der Geschmäcker und ihre Richtungen im Laufe des Essens verzeichnet werden. Einfluss auf die Zeichnung nehmen neben dem Geschmack, u.a. der Geruch und die Konsistenz, zu der z.B. die Transparenz und die Oberflächen gehören, sowie die Umgebung. Im Laufe der gezeichneten Beschreibungen fiel bereits auf, dass bei zu lauter Umgebung kein Geschmack mehr wahrnehmbar ist oder während der Übertragung eines Fußballspiels die Currywurst intensiver schmeckt. Natürlich ist das Verzeichnen von Geschmack und die Beschreibung entlang der Gustogramme sehr individuell. Später festgestellte Ähnlichkeiten zwischen den Darstellungen deuten jedoch daraufhin, dass den Gustogrammen Regeln zugrunde liegen.

 Vorspeise

Hauptgang

Die letzte Station

Wer mehr von Andreas Töpfer sehen möchte, findet es hier.

Text & Zeichnung: Andreas Töpfer