Entretempo, Kitchen, gallery

Tainá Guedes ist Künstlerin und Köchin und symbolisiert damit selbst am besten die Idee hinter ihrem Projekt. Mit der Entretempo Kitchen Gallery hat sie einen Ort geschaffen, in dem Kunst und Essen eine Verbindung eingehen, Kultur auf Kommunikation trifft und gemeinsam eine Synergie eingehen. Die Galerie bietet jungen Künstlern einen Platz für ihre Werke und uns allen die Möglichkeit, die sinnliche Verbindung zwischen einer spannenden Ausstellung und einem passenden Dinner zu geniessen.

Tainá, was können wir uns denn unter der Entretempo Kitchen Gallery genau vorstellen? Wie wir essen beeinflusst die Welt und auch die Kunst kann die Welt verändern. Ich bin z.B. ein großer Fan von der Arbeit von Yoko Ono, wie sie mit ihrem Lebenswerk Frieden verbreitet ist beeindruckend. Essen und Kunst zusammen kann unheimlich viel verändern und genau das ist unser Konzept. Unsere Idee ist es, Kunst und Essen miteinander zu verbinden. Dafür haben wir als erstes eine Küche in unsere Ausstellungsräume integriert und zeigen so die Verbindung zwischen dem Künstler und dem Essen unter ganz verschiedenen Ansätzen. Essen ist Geschichte, Essen ist Wissenschaft, Essen ist auch Gefühl und verbindet ganz unterschiedlichen Aspekte in unserem Leben.

Wie gestaltet sich so ein Zusammenspiel aus Kunst und Essen? Wir haben im letzten Jahr viele Ausstellung gehabt, die sich abstrakt mit dem Thema Essen beschäftigt haben. Bei einigen ist es klar, wie das Essen in die Kunst einfliesst, bei anderen muss man sich erst Gedanken machen – was auch gewollt ist. Aber die Ausstellungen haben immer einen gemeinsamen Nenner: ihre Verbindung zum Essen. Es gibt inzwischen sehr viele Künstler, die mit dem Thema Food arbeiten, ob in der Literatur oder auch z.B. im Tanz. Es gibt da z.B. einen jungen Mann von den Philippinen, der eine Verbindung zwischen den Gewürzen im Essen mit seinem Tanz gefunden hat. Ich habe immer mehr solche Projekte entdeckt und dann haben wir gedacht: Die Zeit ist reif dafür. So etwas fehlt noch in Berlin!

Wie ist denn deine ganz persönliche Verbindung zwischen den beiden Themen? Mein Vater war Künstler und hat sich makrobiotisch ernährt und meine Mutter ist Japanerin. Ich selbst bin diplomierte Köchin und hatte in Brasilien ein japanisches Restaurant. Das hat mich jedoch nicht ausgefüllt. Ich bin also nach Japan gegangen und habe dort eine Philosophie entdeckt, die für mich auf einmal alle meine Stränge aus meinem Leben zusammengebracht hat. Und so ist dann auch die Verbindung aus Kunst und Essen entstanden. In Berlin habe dann zunächst meine Food-Installationen in der Markthalle 9 gezeigt, außerdem habe ich ein Buch geschrieben, über das Thema Brot und die Verschwendung von Essen. Dann kamen wir auf die Idee zu der Galerie, sie soll wie ein Regenschirm für die Künstler sein und es ist schön zu sehen, wieviele Menschen sich für das Thema interessieren! Ich glaube, die Bewegung wird weiter wachsen und wir sind erst die Spitze des Eisberges.

Ihr veranstaltet ganz unterschiedliche Food Events bei euch in der Gallery, wie kann den so ein Abend aussehen? Wir bieten ganz unterschiedliche Konzepte an. Man kann zu einer Dining Experience zu uns kommen, bei der man bekocht wird oder man kann zu einer unserer Cooking Classes herkommen, etwas lernen, mit uns kochen und hat dann die Dining Experience. Und als drittes kann man einen unserer Workshops besuchen, z.B. bieten wir auch Sushi Workshops an. Alles zusammen unterstützt unsere Kunst, denn viele unserer Kunstwerke existieren nach ein paar Jahren nicht mehr, man kann sie also schlecht verkaufen. Es ist einfach eine ganz neue Bewegung, mit der wir den Künstlern die Gelegenheit geben wollen, etwas zu sagen.

Und was kommt bei einem solchen Event auf den Tisch? Wir experimentieren hier viel. Am wichtigsten ist mir, dass sich der Gast, der Kunde oder Künstler verstanden und abgeholt fühlt. Ich plane gerade eine Aktion mit Kindern, da wird sich viel um die Farbe Rosa drehen, weil das kleine Mädchen, um das es geht, Prinzessinnen mag. Wenn ich selbst koche, mag ich arabisches, japanisches und brasilianisches Essen. Ich habe auch einmal etwas zu einem brasilianischen Film gemacht, da habe ich einen Turm aus Schokolade gemacht, mit Waldbeeren dazu, weil es zu dem Thema des Filmes gepasst hat. Außerdem veranstalten wir gerne Blind Dinner passend zu den aktuellen Ausstellungen unserer Künstler.

Ab dem 10. Februar zeigt der Künstler Artúr van Balen seine Kafka inspirierte Ausstellung “Die Verwandlung” in der Entretempo Kitchen Gallery. Im Zuge der Ausstellung findet am 14. Februar ein Blind Dinner statt. Mehr Informationen zu den Events und der Galerie findet ihr hier:

Entretempo Kitchen GallerySenefelderst. 29, 10437 Berlin

Text: Katharina Flick & Bild: Katja Zimmermann