Alice Waters

Manchmal fließen alle Stränge zusammen: Es ist Berlinale, die Markthalle Neun bietet morgen ein besonderes Event und zusätzlich landet ein Kochbuch aus dem Prestel Verlag auf unserem Redaktionstisch: Dick, solide, gebunden, Hardcover, ordentlich gesetzt und mit naturalistischen, feinen Zeichnungen. Es fasst sich gut an; man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Dahinter verbirgt sich die Slow-Food Pionierin, Köchin und Autorin Alice Waters mit ihrem Buch The Art of Simple Food – Rezepte und Glück aus dem Küchengarten. Durch Essen das Leben ändern – das möchte dieses Kochbuch.

Ein herzliches Vorwort des Slow-Food-Begründers Carlo Petrini leitet dieses Buch ein, das auch ein Nachschlagewerk ist. Denn Alice Waters hat nicht nur Rezepte gesammelt und kreiert, sondern beschreibt und erzählt zu den Zutaten so eindrücklich, dass man sie zwischen den Blättern riechen kann. “The Art of Simple Food” kommt ganz ohne Hochglanzfotos aus und ist auch für Hobbyköche sehr leicht nachvollziehbar. Die Ansätze sind manchmal überraschend und dennoch in ihrer Ausführung klar und einfach.

Bereits 1972 begründet die inzwischen Siebzigjährige als Chefköchin im Chez Panisse den Trend zur regionalen, saisonalen und gesunden Küche. Hier wird täglich nur ein einziges – aber stetig wechselndes – Menü angeboten. Beliefert wird sie aussschliesslich von einem ausgedehnten Netz lokaler Produzenten. Sie forderte mit dem Bildungsprogramm „Edible Schoolyard“ eine bessere Ernährungserziehung für Kinder, bei dem die Schüler im eigenen Garten Gemüse anbauen, ernten und auch zubereiten. Die Beziehung zum Essen soll dadurch früh gefördert werden und damit ist sie Vorbild für zahlreiche Initiativen und Programme bis hin zu Michelle Obama, die einen Gemüsegarten im Park des Weißen Hauses einrichten ließ.

Alice Waters ist passionierte Filmfreundin und benannte ihr legendäres Restaurant „Chez Panisse“ in Berkeley nach Honoré Panisse, einem Charakter aus Marcel Pagnols „Trilogie Marseillaise“. Insbesondere Filmemacher wie Wim Wenders, Jean-Luc Godard oder Werner Herzog, der in einer Performance 1980 dort seinen Schuh kochte, treffen sich bei ihr. Auch die US-amerikanische Filmszene findet sich ein, etwa Francis Ford Coppola, Jake Gyllenhall oder der Opernregisseur Peter Sellars. So ist es nicht verwunderlich, dass die Food-Aktivistin gemeinsam mit dem Slow-Food-Begründer Carlo Petrini bei den diesjährigen 65. Filmfestspielen die Berlinale Kamera verliehen bekommt. Das Kulinarische Kino pflegt eine gedanklich enge Partnerschaft mit der Slow Food Bewegung, deren Vize-Präsidentin Waters seit 2002 ist.

Aus diesem Anlass könnt ihr hier noch mal einen Blick ins Programm des Kulinarischen Kinos werfen, das aus 12 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen besteht, die sich mit Motiven des Essens beschäftigen. Nach dem Hauptfilm kreiert ein Spitzenkoch ein Menü, das vom Film inspiriert ist. Zum Ende des kulinarischen Teils findet ein Gespräch mit Mitgliedern des Filmteams und Experten zu den Filmthemen statt.

Wer Alice Waters live erleben möchte, kann das am 10. Februar in der Markthalle Neun. Sie ist Mitglied des Stadt-Land-Food-Beirats und signiert dort ab 12.30 Uhr ihr Buch. Natürlich gibt es leckere, regionale Küche vor Ort.

Text & Bild: Katja Zimmermann