Dr. Anne-Christin Bansleben

Anne-Christin Bansleben hat mit ihrem Team ein Verfahren entwickelt, um Leder mit der heimischen Pflanze Rhabarber zu gerben. Passend zur Saison wollen wir euch Anne und die spannende Rhabarbergerbung mal ein wenig genauer vorstellen.

Wie kommt man als Doktor der Ernährungswissenschaften denn dazu, ein eigenes Ledergerbverfahren zu entwickeln? Während des Studiums haben meine Teamkollegen und ich uns mit den Eigenschaften von Pflanzen auseinandergesetzt. Spannend für uns war vor allem der Rhabarber, von dem wir wussten, dass er Inhaltsstoffe besitzt, mit denen eine Gerbung möglich sein müsste. Zudem wurde uns bewusst, dass es einen immensen Bedarf gibt, eine umweltfreundliche Alternative zur klassischen Chromgerbung zu finden. Schließlich haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, einen Extrakt zu gewinnen und ein Verfahren zu entwickeln, mit dem dies möglich ist.

Wie funktioniert die Rharbarbergerbung denn genau? Beim Gerben geht es darum die Tierhaut mit Hilfsmitteln so zu verarbeiten, dass sie nicht verdirbt. Um das Verfahren zu beschleunigen und zu standardisieren, hat man angefangen dafür Chromsalze zu verwenden. Anstelle des Chromsalzes setzen wir in der Gerbung aber nun unseren Rhabarber-Extrakt ein. Im Anschluss an das Gerbverfahren wird unser Leder auch nicht beschichtet. Somit bleibt die natürliche, atmungsaktive Eigenschaft von Leder erhalten und ist dadurch besonders gut für die Herstellung von Bekleidung und Schuhen, für Allergiker sowie besonders empfindliche Personen und sogar Babys geeignet.

Was ist denn genau das Problem mit der Chromgerbung, was macht sie so Umweltschädigend? Die Chromgerbung birgt mehrere Probleme. Das fängt beim Abbau der Chromsalze in Tagebaue, häufig in Afrika und Asien, an. Das zieht Probleme wie Landenteignung und Bodenentwässerung mit sich. Doch so, wie die Chromsalze im Boden sind, können sie nicht verwendet werden. Aufwändige thermische Verfahren müssen eingesetzt werden, um die gerbende Verbindung Chrom ||| zu gewinnen. Die Arbeiter stehen unter so stark gesundheitsschädigenden Bedingungen, dass viele von ihnen frühzeitig an den Folgen von Chromvergiftung sterben. Die Chromgerbung stellt aber nicht nur für die Arbeiter ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Es kann auch den Endverbraucher betreffen. Während des Gerbens nämlich kann der gesundheitsschädigende Stoff Chrom V| entstehen, der Allergien auslöst und im Verdacht steht, krebserregend zu sein

Was macht euer Gerbverfahren so viel nachhaltiger als die weit verbreitete Chromgerbung? Wir wussten genau, dass wir ein Verfahren mit einer pflanzlichen Gerbung entwickeln möchten, um eine umweltfreundliche Alternative zur problematischen Chromgerbung zu schaffen. Zudem ist uns eine Gerbung innerhalb Deutschlands sehr wichtig. Hier gibt es hohe Standards, wir kennen unsere Betriebe und wissen, dass ordentliche Arbeitsbedingungen herrschen. Zudem ist der Rhabarber eine heimische Pflanze, die sich leicht anbauen lässt und anspruchslos wächst. Alle Häute, die wir verwenden, stammen von deutschen Tieren, die nicht ausschließlich für die Lederproduktion, sondern auch für die Lebensmittelindustrie gehalten werden. Damit besteht ein geschlossener Kreislauf und wir können mit unserem Produkt zeigen: Ja, das geht!

Kollage

Ihr habt ja als deepmello®  auch ein eigenes Label gegründet, bei dem ihr euch immer wieder externe Designer an die Seite holt, wie kam es dazu? Wir haben eigene Entwürfe und Ideen, die wir auch umsetzen. Das Prinzip von unserem Label war aber von Beginn an auf Kooperationen zu setzen. So haben wir bereits mit Designern wie Anne Gorke, Esther Perbandt, Leandro Cano und Kaseee zusammengearbeitet. Einige Designer begleiten uns sogar über mehrere Saisons. Um eine eigene Handschrift erkennbar zu machen, geben wir den Designern vorab ein genaues Briefing und sagen, was wir uns vorstellen wie zum Beispiel die Shopper mit Businessfunktion. Nachdem die Designer ihre Vorschläge eingereicht haben, entwickeln wir die Produkte zusammen.

Wie kommen die Designer denn zu euch, reichen sie Bewerbungen ein oder sucht ihr sie ganz explizit aus?
Sowohl als auch. Wenn uns Designer gefallen, deren Stil und auch Philosophie zu unserer passt, fragen wir diese an. Designer kommen aber auch auf uns zu, weil ihnen unser Konzept gefällt und sie Lust haben mit dem Material Leder zu arbeiten. Zudem vertreiben wir unser rhabarberleder® und fungieren damit als Händler für jeden, der gerne mit unserem Leder arbeiten möchte.

Was siehst du für Trends im Bereich Nachhaltigkeit für 2015? In der Nachfrage nach umweltbewussten Produkten sehe ich einen Anstieg. Uns als Unternehmen gibt es seit 5 Jahren und wir merken ein deutliches Wachstum. Große Konzerne, die nach außen hin noch nicht nachhaltig auftreten, kommen auf uns zu, um sich zu informieren. Das zeigt, es findet ein Umdenken statt. Dieses ist sicherlich auch durch den Druck der Konsumenten bedingt, da eine gewisse Nachhaltigkeit mittlerweile erwartet wird. Was unser Label deepmello® betrifft, so erkennen immer mehr Verbraucher die Wertigkeit des Materials Leders wieder an und sind dafür auch bereit etwas mehr zu investieren. Schließlich möchte man lange Gebrauch von seinen Lederprodukten machen, was mit unseren modernen und zeitlosen Designs in jedem Falle möglich ist.

Text: Katharina Flick / Bilder: PR/ Andreas Troitsch