Kochtag

Der kleine gemütliche Eventraum von ZEIT Online füllt sich mit foodaffinem Publikum und wartet auf zwei völlig gegensätzliche Gäste, die sich hier am Abend zum Gespräch treffen:

Yvette van Boven, Köchin, Illustratorin und Autorin der Kochbuch-Bestseller-Reihe „Homemade”, und Martin Wurzer-Berger, Herausgeber des „Journal Culinaire“ sprechen anlässlich der von ZEIT ONLINE und ZEIT Magazin ausgerufenen #Kochwoche übers Selbermachen und der Küche als Lebensmittelpunkt. In einem kleinen Fragenmarathon schwärmen sie vom Kochen und übertreffen sich mit familiären Anekdoten.

Beide hegen die Leidenschaft zum Kochen, zum Selbermachen – Yvette van Boven sagt, sie hätte gar keine andere Wahl gehabt. Es musste von Haus aus passieren, dass sie viel selbst macht. Sie hat gelernt, erfinderisch zu sein und mit dem zu kochen, was sie in ihrer Küche vorfindet. Das empfiehlt sie auch den Lesern ihrer Kochbücher: Die Rezepte sollen Inspiration sein und wenn es für den Blaubeerkuchen mal keine Blaubeeren gibt, dann nimmt man eben Brombeeren. Darin liegt für sie auch die Kreativität beim Kochen – dasselbe Rezept kann bei unterschiedlichen Köchen sehr individuell und persönlich sein. Zu allererst sollte es Spass machen, sich zu überlegen, was man kocht, der Akt des Einkaufens gehört für sie genauso dazu wie der Fakt, dass sie genau weiß, was sie ihrem Körper zuführt. Bücher zur Theorie, wie etwa über chemische Prozesse, liest sie selbst gerne im Urlaub.

Bei Martin Wurzer-Berger gehört die Theorie zum Programm. Die unabhängige Zeitschrift Journal Culinaire erscheint zweimal jährlich und bietet auf etwa 150 Seiten Kultur und Wissenschaft zum Essen, zusammengetragen von Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaftlern, Journalisten, Praktikern und Köchen. Es ist kein Coffee Table Book, reduziert in der Gestaltung und bietet neben Diagrammen schlichte Tellerfotos in schwarz-weiß. Hier geht es um Prozesse und Materie und das Hinterfragen von Kochvorschriften, die in Kochbüchern einfach nur hingenommen werden müssen. Natürlich kocht Martin Wurzer-Berger auch selbst gern, betont jedoch, dass eine Differenz zwischen Profi und Laie gewahrt sein müsse. In Restaurants werde reproduziert, bei ihm zu Hause schmecken die Frikadellen, die er circa alle zwei Wochen macht, nie gleich. “Ich bin kein gastrosexueller Gastgeber.” – und das macht ihn symphatisch. Die Wiederentdeckung der Küche als Lebensraum empfindet er als Täuschungsmanöver. Es gab ja lange keine Hilfsprodukte wie Dosen, Knorrtüten oder Fertigteig. Es MUSSTE gekocht werden und wie viele Frauen haben das wirklich mit Begeisterung getan? Er geniesst die unmittelbare Freude, etwas selbst zu machen. Am Anfang gelingt sehr viel und der eigentliche Motor ist für ihn das zusammen essen, weniger das zusammen kochen. Das besteht für ihn zu 80% aus Organisation.

Auf die Frage, welche Küchengeräte ungenutzt bei ihnen zu Hause herumstehen, geben beide ganz unterschiedliche Antworten. Bei Martin Wurzer-Berger werden solche Monster gleich entsorgt und Yvette van Boven verflucht ihre Saftpresse, die ihr zu anstrengend in der Reinigung ist und deshalb nicht mehr benutzt wird.

Also nutzt heute anlässlich des ZEIT Kochtags alle eure Geräte und ladet euch Freunde ein. Viel Spass beim Kochen!

 

Text: Katja Zimmermann