Food Art Week

Das Programm ist üppig, vielfältig und weit über die Stadt verteilt. In Kombination mit all den anderen Events, die dieser Tage in Berlin stattfinden, ist man dauerhaft von A nach B unterwegs. Unser erstes Fazit der Berlin Food Art Week fällt durchweg positiv aus:

Die Orte sind gut gewählt, sehr unterschiedlich in ihrer Atmosphäre und der Herangehensweise an die Themen Essen und Kunst. Neben Workshops für Kids in der Entretempo Kitchen Gallery gibt es gehobene Dinner-Angebote oder hippe Verkostungen beim Street Food Markt Neue Heimat. Wohin man auch kommt, Taina Guedes ist überall, wirbelt umher, hat immer ein freundliches Wort und erklärt ihre Herzensthemen Essen und Kunst. Sie ist gut vernetzt und hat mit diesem ersten Festival einen Nerv getroffen. Zwei der Veranstaltungen stellen wir euch hier näher vor:

“THE ENDANGERED SPECIES RECIPE BOOK” – “Das Rezeptbuch der gefährdeten Arten” im Zagreus

Zu dieser Vernissage der Bildhauerin Elisabeth Demaray und des Malers Hugo Bastidas verschlägt es uns in einen sehr angenehm restaurierten Hinterhof in Berlins Mitte in den Projektraum ZAGREUS. Hier wird gekocht und Kunst im weitesten Sinne mit gastronomischen Konzepten kombiniert. Der Koch und Galerist Ulrich Krauss, der die Veranstaltungen organisiert, stellt uns die Künstlerin vor, die am Abend eine Performance aufführt. Zu den Öl-Zeichnungen an der Wand, die bedrohte oder ausgestorbene Tiere zeigen – mit jeweils einem real existierenden Rezept, führt sie uns einen menschlichen Chor von Vögeln vor. Fast alle Gäste finden sich gemeinschaftlich versammelt im Hof und zwitschern wild durcheinander. Der Hintergrund ist die Arbeit des Naturwissenschaftlers E.O.Wilson, der glaubt, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Hälfte aller Pflanzen und Tiere ausgestorben sind. Davon angeregt wird von Ulrich Krauss und seinem Team an diesem Abend eine Fleischplatte serviert, bei der alle Teile eines Tieres verarbeitet wurden. Der kross gebratene Schweinekopf auf Wildsalat hat fast eine steinzeitliche Anmutung und auch die sich darauf stürzenden Gäste entspringen diesem Bild – fehlt nur noch das Lagerfeuer.

ZAGREUS, Brunnenstrasse 9a

Dinner-Performance “Not macht erfinderisch” in Kooperation mit Canteen 55

Die HB55Kunstfabrik liegt nicht gerade im Zentrum, aber ein Weg dorthin lohnt auf jeden Fall. Es ist ein Ort, an dem Künstler sich in Eigenregie ein Reich schaffen dürfen und die gewachsene Struktur sichtbar wird. Das schaut sich auch der Kultursenator an, der gerade mit uns zur Dinner-Perfomance erscheint. Die Künstlerin Anastasia Mikhaylova lässt die Teilnehmer nach der Cadavre Exquis Methode Rezepte erstellen. Diese spielerische Art, dem Zufall Raum zu geben stammt aus der Zeit des Surrealismus und kennt jeder von uns aus Kindertagen: Auf einem Zettel werden Tiere oder menschliche Figuren gemalt, wobei nach jeder Körperpartie der Zettel gefaltet wird und somit das Gesamtbild erst am Ende sichtbar wird. Hier nun also mit Essen, das auf einem Tisch ausgebreitet steht. Der Koch im Hintergrund, der dann das Menü zusammenkochen muss, runzelt schon die Stirn. Eine gute Anregung, wenn der Kühlschrank zu Hause mal wieder nur die absurden Reste zu bieten hat.

Na, dann: Guten Appetit!

HB55Kunstfabrik, Herzbergstrasse 55

Text & Bild: Katja Zimmermann