Sugarfari

In diesem Laden steckt die ganze Welt: Welcome sweet tooth! Velkommen din søt tann! Bienvenido los golosos! Willkommen, ihr Naschkatzen im SUGAFARI!

Eine kleine Straße mit Kopfsteinpflaster im Prenzlauer Berg. Vor den Gemeinschaftsbüros der Architekten oder Illustratoren stehen Holzbänke und die Türen werden im Sommer offen gelassen. Aus der Ladentür vom Sugafari dringt ein süßer, leckerer Geruch – ein Gemisch aus Minze, Lakritze und Zuckerwatte, der einen ins bunte Geschäft zieht. Für viele der Duft der Kindheit. Hier bekommt man aber nicht nur Süßes aus der deutschen Kindheit abgepackt als Geschenketüte, sondern Kuriositäten aus aller Welt. Der Inhaber Alexis ist sich selbst ein guter Kunde – schliesslich muss er alle Waren auch testen, die er verkauft – und erzählt uns begeistert im Interview von der Entstehung des Ladens.

Seit wann gibt es Sugafari? Im Frühjahr 2010 wollte ich eigentlich mit einem anderen Unternehmen online gehen, was nicht zu stande kam. Eine echt schwierige Phase. In dieser Zeit habe ich das Buch “Früchte aus aller Welt” gelesen und bekam Appetit auf Süßes. Die Gummibärchen aus Spanien sind z.B. viel leckerer und ich habe dann im Internet nach weiteren Süßigkeiten aus aller Welt gesucht. Die Seite, auf der ich am liebsten einkaufen wollte, gab es jedoch noch nicht. Am Samstag habe ich mit der Recherche begonnen und am Montag Sugafari beim Gewerbeamt angemeldet und hatte Lust, mit viel Energie anzufangen.

Was war deine Inspiration? Nachdem ich all meinen Freunden von der Idee erzählt habe, war ich restlos überzeugt: Alle konnten damit sofort etwas anfangen und hatten eine emotionale Bindung, haben mir von ihren Kindheitserinnerungen erzählt. Es steckt viel mehr dahinter als Süßigkeiten. Ich wusste sofort, wie die Seite aussehen würde und es hat gut in die Zeit gepasst. Ich reise sehr gerne und habe viel Neugier und Entdeckerfreude. Supermärkte waren für mich immer ein großes Highlight: Was gibt es Verrücktes in Japan oder in den USA?

Wie lief dann der Start von Sugafari ab? Zu Beginn bin ich in alle Weltläden gelaufen und habe mir die Produkte dort angeschaut. Beim Kontakt mit Großhändlern kam dann der erste Dämpfer, weil die Abnahmemengen so extrem hoch waren. Ich hätte also mein gesamtes Startbudget für Einkauf in eine Palette investieren müssen. Der Testballon startete dann mit einem Stand beim Flohmarkt am Mauerpark mit selbstgemachten Schildchen und die Resonanz war wahnsinnig gut. Eine Redakteurin hat gleich einen Bericht über uns gemacht und so ging es dann erfolgreich weiter. Zu dem Zeitpunkt war mir das noch gar nicht bewusst. Diese Energie habe ich dann Tag und Nacht in die Webseite gesteckt – habe alles alleine gemacht, komplett ohne Budget.

Wie kam es dann zu dem Laden? Steffi und ich haben alles von zu Hause aus verschickt und konnten zum Schluss dort eigentlich nicht mehr wohnen. Auf der Suche nach einem Lager sind wir auf die Räume in der Kopenhagener Straße gestoßen und haben uns nach einigem Hin und Her dazu entschlossen, auch einen Laden aufzumachen. Das bedeutete, dass wir erst einmal selbst im Laden stehen mussten. Nach einem Dreivierteljahr lief es so gut, dass wir Leute anstellen konnten.

Habt ihr einen Schwerpunkt im Laden? Es soll kurios und authentisch sein. Je verrückter, desto besser. Aber über Geschmack lässt sich streiten. Wenn mir etwas nicht schmeckt, wie z.B. Lakritze, dann heisst das nicht, dass es das in unserem Laden nicht geben kann. Billig produzierte Produkte kommen mir nicht ins Haus.

Was ist das Schrägste, das ihr im Laden habt? Wir nennen es Fliegenfänger-Lutscher und der kommt aus Mexiko. Leider gibt es den im Sommer nicht, weil er so klebrig ist. Sieht aus wie ein vom Auto überfahrener Lolli und man kann daraus Blumen oder andere filigrane Gebilde basteln. Spannend sind die Sachen, die man nicht einfach nur einwirft, sondern die spielerisch sind. Mexiko ist ein tolles Beispiel dafür. Typisch vom Geschmack ist süße Tamarinden-Paste, aus Südamerika – daraus werden z.B. Bonbons gemacht. Meistens scharf, salzig, süß und sauer gemischt.

Gibt es ein Land, das nicht vertreten ist? Vom Kontinent Afrika haben wir tatsächlich nur Produkte aus Südafrika. Alle anderen afrikanischen Länder stellen ihre Ware so frisch her, dass es nicht für den Export geeignet ist.

Kommen mehr Kinder oder mehr Erwachsene in euren Laden? Das ist sehr ausgewogen. Für Kinder haben wir tatsächlich die großen Gläser im Regal, aus denen man einzelne Süßigkeiten kaufen kann. Erwachsene nehmen oft unsere Überraschungstüten als Geschenke mit. Unser Sortiment ist zu 80 Prozent einzigartig in Berlin und wir bekommen wöchentlich bis zu sieben Vorschläge oder Anfragen für neue Produkte. Unsere All Time Favorits sind die Wonka Nerds: süß, sauer & knackig. Gerne auch als Rope, das sind dann Nerds als lange Gummischlange.

FLAVOUR Magazin hat getestet:

Senjakuame – Tomatenbonbons aus Japan

Knallrote Packung mit japanischen Schriftzeichen: Exotisch genug sieht die Tüte aus. Die kleinen Bonbons sind extra abgepackt und riechen tatsächlich nach Tomatensoße oder dem berühmten Tomatensaft im Flieger, bekommen dann aber noch eine Süße, die sie zum Bonbon machen.

Violet Crumble – Marshmellow Riegel

Abel Hoadley packte im Jahr 1913 verschiedene Süßigkeiten inklusive Honeycomb Stückchen in eine lilane Box, die mit Veilchen bedruckt war. Die Farb- und Blumenwahl war der Vorliebe seiner Frau zu verdanken. Aufgrund des großen Erfolges der Honeycomb Stückchen, ließ er einen eigenständigen Riegel herstellen, den er mit Schokolade überzog, damit die Riegel nicht aneinander klebten. Wegen der Lieblingsblume seiner Frau – und auch weil Crumble alleine nicht als eingetragener Markenname gültig war – nannte er den Riegel Violet Crumble.
Die Packung wirkt riesig, das Gewicht schwebt dafür auf der Hand. Unter der zarten Schokohaut verbrigt sich eine knusprige, hartgewordene Schaummasse, die ordentlich knackt, wenn man reinbeißt. Nach der Hälfte wird der Riegel kräftig süß, aber man kann nicht aufhören.

Sugafari findet ihr in der Kopenhagener Straße 69, 10437 Berlin/ Prenzlauer Berg. Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag von 14.00 – 19.30 Uhr und am Samstag von 11.00 – 17.00 Uhr. Sonntag und Montag ist Ruhetag.

Wer nun angesteckt ist und völlig dem Süßen verfallen, dem sei an dieser Stelle das neue wunderbare Buch von Cathrin Brandes und dem Fotografen Florian Bolk empfohlen: SWEET Berlin – Die Stadt nascht. Ein buntes Potpourri aus Pâtissiers, Chocolatiers, Zuckerbäcker, Eismacher, Kaffeeröster, Konditoren und Süsswarenhändler der Stadt.

Text & Bild: Katja Zimmermann