Wolgast

Wenn man an einem heißen Freitagnachmittag plötzlich Lust auf Fischbrötchen bekommt, kann man entweder zum nächsten Schnellrestaurant gehen oder ein Ticket an die Ostsee buchen. Denn zum Fisch gehört auch das Rauschen des Meeres in den Ohren, die nackten Füße im Sand und der Geschmack von Salz auf der Zunge. Doch bekommt man mitten in den Sommerschulferien so kurzfristig eine Unterkunft, die nah am Strand liegt? Katja hat es ausprobiert und berichtet euch von einem Wochenende am Meer.

Um 6.30 Uhr am Samstagmorgen bewegt sich der Zug in dem ich sitze von einem Berliner Bahnhof Richtung Norden. Eine kleine britzelnde Vorfreude steigt den Rücken hoch: Noch heute werde ich meine Füße ins Meerwasser halten. Während ich die heiße Großstadt hinter mir lasse, verspricht der Wetterbericht für die Ostseeküste angenehme 23 Grad. Wie kalt wird das Wasser sein? Egal! Ein Mal baden gehen muss sein. Esse ich das erste Fischbrötchen zum Frühstück oder doch erst am Nachmittag, wenn das Salzwasser in meinen Haaren anfängt zu kleben und meine Haut von der Sonne aufgewärmt ist? Knappe 2 1/2 Stunden habe ich Zeit, mich wie ein Kind auf den Urlaub zu freuen. Dabei sind es gerade mal zwei Tage – am Sonntag geht es mit dem Ostseeticket wieder zurück.

Genau das war auch das Problem bei der Suche nach einer Unterkunft. Schön sollte sie sein, schlicht, nicht zu teuer und möglichst nah am Strand. Da der Aufenthalt, der Kurztrip jedoch nur eine Nacht beinhaltet, fallen sämtliche Ferienwohnungen und -zimmer schon mal weg. Der Aufwand lohnt sich für die meisten Anbietern nicht. So gestaltete sich die Urlaubsplanung auch anders als üblich nach dem Motto: Dort wo es eine Bleibe gibt, dort fahre ich hin. Die Anrufe bei verschiedenen Hotels blieben erfolglos, fast schon mitleidig kassierte ich Absage nach Absage. Bis eine nette Hotelangestellte mir einen Tipp gab: das Postel in Wolgast. Wenn, dann gäbe es dort noch ein Zimmer….

Zögern. Das Postel? Ein Hostel also. Mein letzter Besuch in einem Hostel liegt fast 15 Jahre zurück. Als Backpacker-Reisende würde ich mich nicht mehr bezeichnen. Ich verzichte ungern auf meine Privatsphäre und mag es, wenn das Bad sauber ist. Es muss nicht der pure Luxus sein, aber eine geschmackvolle Einrichtung beschwingt bei mir ebenso den Aufenthalt, wie guter Service und ein gutes Frühstück. “Spare im Urlaub nicht an der Unterkunft!” diesen Rat gab mir ein Freund mal vor einem Italienurlaub und er sollte Recht behalten. Aber die Sehnsucht nach dem Meer war zu groß, also hab ich angerufen und HACH! wer sagt es denn – das letzte Zimmer ergattert.

Der Blick auf die Webseite vom Postel löste bei mir Erleichterung aus und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Seit gut einem Jahr gibt es das Hostel mit Hotel-Standard in einem umgebauten Postgebäude aus dem Jahr 1884. Die Vorgeschichte ist Programm und taucht im Haus überall auf. Detailverliebt, aber schlicht gestaltet.

Es hat Platz für bis zu 68 Urlauber – von der Großfamilie über Gruppenreisende, Surfer bis zu Sportvereinen. Der Service am Empfang ist jugendlich unkompliziert und bietet auf Zuruf gleich noch eine Essenempfehlung im Hafen. Unschlagbar ist der Preis und das Frühstück schlägt manches Hotelfrühstück um Längen! Das Zimmer im Dachgeschoss gehört zu den Familienzimmern und bietet zusätzlich noch einen riesigen Aufenthaltsraum mit moderner Küche und Sofaecke an. Bis zu 5 Zimmer teilen sich zwei Badezimmer. Damit kann ich leben. Wenn man Kleinkinder dabei hat, könnte man hier also auch ein eigenes Essen zubereiten und die Abendgestaltung darauf abstimmen ohne auf die allgemeinen Aufenthaltsräume ausweichen zu müssen.

Zudem ist der Blick über die Dächer von Wolgast bestechend. Zum Bahnhof sind es 7 Minuten zu Fuß und von dort bringt mich die Usedomer Bäderbahn an die Küste. Hurra! Zwei Tage Strand fühlen sich an wie eine Woche Urlaub. Das nächste Mal bleibe ich einfach länger.

POSTEL – Das Hostel mit Hotelstandard, Breite Strasse 26, Wolgast

E-Mail: info (at) post-aus-wolgast.de

Text & Bild: Katja Zimmermann