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Bei Nord-Norwegen kommen einem wahrscheinlich Elche in den Sinn und Schnee und vielleicht auch noch Schlittenfahrten und Rentiere, aber kulinarisch hatte ich die Region zugegebermaßen bisher nicht wirklich auf dem Schirm. Wie man sich doch täuschen kann! Als ich von Visit Norway auf eine kulinarische Reise ins winterliche Nord-Norwegen eingeladen wurde, war ich dementsprechend gespannt auf die Dinge, die da auf mich und meinen Gaumen zukommen würden. Und ich kann euch sagen: Da kam so einiges!

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Von Oslo ging es auf unserer Reise noch einmal einige Kilometer weiter nach Norden. In Bodø wehte nicht nur eine steife Briese, sondern ein ganzer Nordsturm pustete unsere fröhliche Gemeinschaft in das Lokal NYT, das seinem Namen alle Ehre macht und noch ziemlich neu am Platze war. Hier zeigten uns zwei junge Köche nicht nur, was sie am Herd so alles aus regionalen Zutaten zaubern können, sondern präsentierten uns stolz einen Eiswein (!) aus der Region.

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Wer wie ich Weinanbaugebiete mehrere Tausend Kilometer südlich im Kopf hatte, konnte auf seiner Checkliste bereits den ersten Haken hiner „Wieder was gelernt“ machen. Essenstechnisch jagte ein neues Geschmackserlebnis das nächste. Von Weihnachtsschinken an Senfschaum, Silberzwiebeln, Tapioka und Roggenflocken über ein Rückenstück vom Lundalrind, Pastinakenpürree, Hasselback-Kartoffeln und Demi-Glace vom Ochsen war wirklich alles dabei und zum Nachtisch lockte dann auch noch eine Apfelcreme aus halbgetrockneten Äpfeln, Butterteig, Zitronencreme, Rosengelee, Apfelsauce und Vanilleeis. So dürfte wegen mir jede Reise anfangen!

Am nächsten Tag ging es nach einem kleinen Stop weiter zu einigen regionalen Produzenten, die sich so manches einfallen lassen, um aus den gegebenen Bedingungen etwas einzigartiges und besonders zu schaffen - immerhin wird es in dieser Region fast ein halbes Jahr lang nur wenige Stunden am Tag überhaupt hell. Ob die Jungs vom Arctic Salt, die das Salz aus dem stärksten Gezeitenstrom der Welt zu feinen Kristallen verarbeiten, oder Mathilde und Håvard von Han Sylte, die süße Karotten, die dank der Sole im Boden einen ganz besonderen Geschmack haben,  zu wunderbarer Marmelade verarbeiten und herrlich duftende Zimtbrötchen dazu servierten. Jeder der regionalen Produzenten hat eine ganz eigene Idee und Lust, ihr Land zu nutzen und etwas eigenes zu schaffen. Eine wunderbare Sache, die auch vom Land Norwegen gefördert wird, um eigene Produktionen und Landwirtschaft aufrecht zu erhalten und auch junge Leute dafür zu begeistern.

Kulinarisch besonders eindrucksvoll war ganz sicher der Besuch bei der Rentierzüchterin Inga Sami Siida, die uns in die Geschichte der Sami People einführte und uns Bidos, einen traditionellen Eintopf aus Rentierfleisch und sahnige Moltebeerencreme servierte. Für mich definitiv absolutes Neuland! Zu der Tradition der Sami gehört es, alles vom Tier zu verwerten, zu essen und zu nutzen. Getrocknetes Rentierherz, das in Scheiben geschnitten als Snack zum Kaffee gereicht wird, ist also nichts ungewöhnliches, außer für meinen Gaumen vielleicht, der sich auch bis zum Schluss nicht ganz an diese kulinarische Genusswelt gewöhnen konnte.

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Während mein Gaumen also bereits einiges an Neuheiten probieren durfte, war mein Kopf damit beschäftigt, all die Eindrücke auf-  und wahrzunehmen, die dieses Land für einen bereit hält. Eis und Schnee, eine Fahrt mit dem Hurtigrutenschiff durch eine fast unwirkliche Winterlandschaft, eine Bootsfahrt, bei der wir Orcas und Buckelwale beim Jagen und Spielen beobachten durften, echte, tanzende Nordlichter und ein Flug in einer kleinen Propellermaschine mit den „Weltbesten Piloten“, die wir bei dem Geruckel auch auf jeden Fall gebraucht haben!

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Es ist tatsächlich unglaublich schwer, dieses beeindruckende Land in Worte zu fassen, darum mein Tipp: Hinfahren, staunen, mitreißen lassen und nicht vergessen: Unbedingt die lokalen Spezialitäten probieren. Es lohnt sich!

Bilder: Katharina Flick & Jürgen Sorges (Titel, Wale und Nordlichter), Text: Katharina Flick

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  1. Unterwegs mit Hurtigruten, MS Vesterålen, habe ich die norwegische Küche kennen gelernt. Beeindruckt von der Vielfalt aus der Küche und den Weinen. Jetzt fehlt mir noch die Tour im Winter!

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Food, Lifestyle

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