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Kennt ihr das, wenn man morgens aufwacht und es im Bauch nur so kribbelt? Meistens steht bei mir dann so etwas wie eine Prüfung oder mein Geburtstag auf dem Programm. An diesem einen Morgen letztes Jahr im Dezember stand allerdings gar nichts an, außer einem ziemlich langweiligen Zahnarztbesuch. Um mir die Zeit bis zu dem Termin zu vertreiben, saß ich bei einer Tasse Tee in einem Café, als mein Blick plötzlich an einem etwa 12-jährigen Jungen hängen blieb. Die Haare hingen ihm ins Gesicht und er war tief über ein Buch gebeugt, das vor ihm auf dem Tisch lag. In seiner Hand hielt er eine Kakaotasse, von der er immer mal wieder ohne von seinem Buch aufzublicken einen Schluck nahm. Neben ihm stand ein großes Stückchen Kuchen, das er sich offensichtlich gerade an der Theke bestellt hatte.

Vom Lesen und Schreiben

Während ich in aller Ruhe meinen Tee austrank, dachte ich über das Lesen nach, über die Faszination, die Bücher und eine kleine schrullige Kinderbücherei immer auf mich hatten. Die meisten meiner Kindheitserinnerungen beinhalten einen großen Stapel Bücher und eine genervte kleine Schwester, die es TOTAL langweilig fand, dass ich “immer nur lesen” wollte.

Während ich also weiter über Bücher und ihre besondere Wirkung auf mich nachdachte, durchzuckte mich ein Gedanke: So ein Buch müsste man schreiben, eines, dass Kinder in den Bann der gedruckten Seiten zieht, eines, bei dem man nicht erwarten kann, dass die Seite zu Ende gelesen ist, um endlich umzublättern. Aufgeregt kramte ich einen alten Einkaufszettel aus meiner Tasche hervor und fing an mir Notizen zu machen, bis ich schließlich fast zu spät zu meinem Termin gekommen wäre. Als ich hastig meine Jacke von der Stuhllehne zog, fiel mein Blick wieder auf den kleinen Jungen, der noch immer tief über sein Buch gebeugt da saß.  Sein Stückchen Kuchen stand noch immer unberührt an der gleichen Stelle.

Magiatum

Die Geschichte um diesen Jungen und sein Buch ließ mich in den nächsten Tagen nicht mehr los und weil man so ein Geschenk vielleicht nur einmal vom Leben in die Hand gedrückt bekommt, habe ich angefangen zu schreiben. Nur mit einem Kugelschreiber und inzwischen 5 Notizbüchern, bis zum Rand vollgekritzelt mit Ideen, Geschichten, Schatzkarten und Personenkonstrukten, saß ich die letzten 3 Monate fast täglich in einem kleinen Café an am Kaminfeuer und habe meinen Figuren das Laufen beigebracht und sie in die magische Welt Magiatum entführt.

Immer wieder habe ich diese Art zu arbeiten verflucht, saß abends über die Notizbücher gebeugt an meinem Schreibtisch und habe mühsam die handschriftlichen Notizen in den Laptop getippt. Aber die Ideen flossen nun einmal durch meinen schwarzen Werbekugelschreiber, den ich ganz sicher nie mehr hergeben werde.

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Warum ich diesen Artikel in der Vergangenheitsform schreiben? Nun, weil ich mich letztes Wochenende mit einer Flasche Rotwein, ziemlich viel Kaffee und meinem Laptop in einer kleinen Künstlerwohnung am Meer eingeigelt habe und den Schluss meines Buches verfasst habe. Magiatum hat jetzt ein Ende, einen Anfang, ein paar ganz wunderbare Helden, einen fiesen Bösewicht und eine magische Welt voller wunderbarer Geschöpfe. Vor allem hat Magiatum aber ganz viel Herzblut und seit dieser Woche sechs Testleser, die mir hoffentlich ganz viel Feedback, Lob, Kritik, Notizen und Anmerkungen um die Ohren hauen werden, um die Geschichte so rund wie möglich zu machen. Drückt mir die Daumen, dass sie meine magische Welt genauso so sehr mögen wie ich …

Text & Bild: Katharina Flick

Join the conversation! 4 Comments

  1. Ich lese die ersten Kapitel mit Spannung. Und Rotstift :D

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  2. […] ersten Mal einen Zeitplan aufgestellt: Denn die Leipziger Buchmesse naht und zusammen mit Frollein Kathi Flavour-Flick werde ich wenigstens für einen Tag hinfahren. Mit fertigen (!) Exposés und Textproben von […]

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  3. […] hat sich der Tag gelohnt: Das mitgereiste Frollein Flick (mit ihrem “Magiatum”-Kinderbuch im Gepäck) und ich trafen die Jugendbuchautorin […]

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Kolumne, Lifestyle

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